Lesung und Gespräch mit Lutz Rathenow und Katja Zwirnmann – Literatur im Dialog mit bildender Kunst
Der Lyriker Lutz Rathenow, die Leipziger Grafikerin Katja Zwirnmann und der Verleger Ralf Liebe trafen sich am 16. April 2026 in der Sächsischen Landesvertretung zu einer Lesung mit Gespräch, in dem Literatur und bildende Kunst in einen lebendigen Dialog traten. Zu Beginn des Abends wurden die zahlreichen Gäste von Markus Franke, dem Bevollmächtigten des Freistaates Sachsen beim Bund, herzlich begrüßt und auf eine Veranstaltung eingestimmt, die künstlerische Reflexion und zeitgeschichtliche Perspektiven miteinander verband.
Gemeinsam stellten die Beteiligten den Lyrikband »Früher ist morgen. Einhundertelf Gedichte« vor, der sich als generationsübergreifendes Projekt versteht und Ost und West miteinander verbindet. Rathenow, der in der DDR aktiv in der unabhängigen Friedens- und Bürgerrechtsbewegung wirkte und später von März 2011 bis 2021 als Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur amtierte, verlieh seinen Texten dabei eine besonders persönliche Authentizität. Zwischen den Gesprächssequenzen auf dem Podium las er immer wieder ausgewählte Gedichte aus dem Band und vermochte es, das Publikum nicht nur nachdenklich zu stimmen, sondern es auch das eine oder andere Mal zum Schmunzeln zu bringen.
Die visuelle Gestaltung des Bandes stammt von Katja Zwirnmann, deren zehn Holzschnitte den Gedichten eine eigenständige künstlerische Dimension hinzufügen. Sie versteht sich als Grafikerin an der Schnittstelle von Buch- und Gebrauchskunst und bewegt sich auf diesem Feld mit bemerkenswerter Innovationskraft. Als gebürtige Leipzigerin, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte und heute in der Leipziger Baumwollspinnerei ein graphisches Atelier mit eigener Werkstatt betreibt, steht sie exemplarisch für die kreative Energie der Stadt Leipzig. Diese Energie unserer sächsischen Großstadt wurde im Verlauf des Abends von den Podiumsteilnehmern wiederholt gewürdigt.
Eine zentrale Rolle kam zudem dem Verleger Ralf Liebe aus Weilerswist zu, der nicht nur als Herausgeber des Lyrikbands fungiert, sondern die Zusammenarbeit zwischen Rathenow und Zwirnmann überhaupt erst initiierte. Mit feinem Gespür für künstlerische Synergien brachte er beide zusammen und ergänzte ihr Werk durch seine ausgeprägte Buchherstellungskunst, wodurch der Band als sorgfältig gestaltetes Gesamtkunstwerk erscheint.
Moderiert von Dr. Stephanie Jacobs, Direktorin des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, entwickelte sich ein facettenreicher Austausch über Entstehungsprozesse, Formen der Zusammenarbeit und künstlerische Ansprüche. Der Abend überzeugte insgesamt durch ein eindrucksvolles Wechselspiel von Lyrik und Illustration, das die enge Beziehung beider Ausdrucksformen spürbar machte.